Schreibübung

Nachfolgend wird eine beispielhafte Schreibübung aufgeführt, wie man sofort im Hier und Jetzt ins Schreiben kommen kann.

Thema: „Was ich gerne lernen möchte“

Mit der nachfolgenden Rohversion stelle ich einen beispielhaften Text vor, der direkt aus einer Jetzt-Übung entstanden ist. Dieser wurde noch nicht überarbeitet, ist ganz pur und scheint erstmal recht chaotisch zu sein. Gänzlich ohne Struktur kommt er auf’s Papier. Die Struktur muss sich im Anschluss mit sehr viel mehr Aufwand als der Erstellung der Rohfassung erarbeitet werden. Das Interessante bei den Jetzt-Übungen ist jedoch, das sich ein Thema aus dem Unterbewusstsein zeigt, mit dem man nicht unbedingt gerechnet hat. In diesem Beispiel ist es das Thema der Schreibblockaden. Als nächsten Schritt würde ich die hier vorliegende Fassung als Vorlage für die Erstellung eines Textes über Schreibblockaden verwenden. Aber jetzt zeige ich erstmal die Rohversion.

Unüberarbeitete Rohversion der Jetzt-Übung:

Was ich gerne lernen möchte

Es gibt so vieles, was ich lernen möchte und wenn ich anfange, darüber nachzudenken, wird mir meist sofort klar, dass mein Leben nicht ausreichen wird, um all das zu lernen, was ich gerne lernen möchte.

Es gäbe somit eine ganze Menge verschiedener Dinge, die ich nun aufführen könnte, aber momentan hängt mir noch das momentane Unterrichtsthema der Schreibblockaden nach. Bisher hatte ich mich noch nie um Schreibblockaden gekümmert, da ich mich von mehr Themen inspiriert fühle, als ich Schreiben kann. Von daher dachte ich, ich hätte gar keine Schreibblockade. Ich fühle mich doch immer so inspiriert zum Schreiben. Aber wenn ich ehrlich bin, dann schaffe ich auch immer nur kurze Texte. Von daher liegt mir das Bloggen auch so. Einfach einen kurzen Text schreiben, online stellen und fertig. Weiter zum Nächsten. Der kann am kommenden Tag geschrieben werden oder erst in einer Woche oder wenn ich ganz viel anderes vorhabe, auch erst einen Monat später. So fühle ich mich frei und flexibel und kann schreiben, wann immer die Inspiration in mir aufsteigt.

Aber ein eigenes Buch ist schon eine andere Nummer. Da steigen Schreibblockaden auf, habe ich gerade gelernt. Und jeder hat sie. Oh mein Gott. Es war so einfach, sie zu verdrängen bzw. sich vorzumachen, man hätte ja gar keine. Und nun soll ich mich mit meinen „nicht vorhandenen“ Schreibblockaden auseinander setzen? Hmmm, nun gut, jetzt geht es ja erst einmal darum, was ich gerne lernen möchte, also werde ich erstmal das Thema des Lernens beschreiben und mich irgendwann später um meine Blockaden kümmern.

Was ich gerne lernen möchte?

Ich möchte gerne lernen, an einem Buchprojekt kontinuierlich zu arbeiten. Und dabei stelle ich jetzt gerade fest, dass mich die Vorbereitung auf diese Schreibübung völlig aus der Bahn geworfen hat. Das Reden über Schreibblockaden kommt mir gerade so sinnlos und destruktiv vor. Heute morgen beim Aufstehen war ich noch so inspiriert und jetzt, wo ich ein wenig über Schreibblockaden nachgedacht habe, habe ich gar keine rechte Lust mehr zum Schreiben. Meine Inspiration ist plötzlich verpufft… oder vielleicht sogar blockiert.  Und jetzt scheint es mir so, als ob das Reden darüber die Schreibblockaden geradezu heraufbeschworen hat.

Also, nochmal: Was ich gerne lernen möchte?

Ich möchte meine Schreibblockaden gerne kennenlernen. Ach du Schreck. Wo kam das denn gerade her? Ich habe echt keine Ahnung und noch viel weniger weiß ich von meinen Schreibblockaden. Ich weiß nicht, wie sie aussehen, woher sie kommen und was sie alles anrichten können. Ja, ich gebe es zu. Vermutlich habe ich Schreibblockaden. Jeder hat sie, aber meine haben sich mir noch gar nicht vorgestellt. „Hallo, liebe Schreibblockaden, bitte kommt doch einmal kurz hervor. Ich möchte euch gern kennenlernen.“

Ich bekomme keine Antwort und so kommt es mir vor, als ob sich meine Schreibblockaden irgendwo versteckt habe… unten… in einem dunklen Kellerraum. Sie kommen nicht herauf, trauen sich wohl nicht. Vermutlich, weil sie irgendwann einmal dorthin verbannt wurden. Also, muss ich wohl hinunter gehen in den dunklen Keller und nachschauen, ob dort welche sind.

Und so sehe ich mich jetzt bildlich und in Gedanken an einer Kellertür stehen, die ich langsam öffne. Vor mir liegt eine lange gebogene Treppe, die in den Keller hinunter führt und die mich an die Treppe in dem Haus meiner Großeltern erinnert, in denen nun meine Tante und mein Onkel leben. Ich bekomme Herzklopfen. Langsam setze ich einen Fuß vor und stelle ihn vorsichtig auf die erste Stufe herab. Dann nehme ich den anderen Fuß und so weiter. Unten angekommen, bekomme ich einen Stich in den Bauch und dann überraschenderweise so etwas wie eine freudige Erwartung. Vorsichtig gehe in den Kellerflur hinein, an den verschiedenen Einzelräume angrenzen. „Hallo!“ rufe ich, „Hallo, liebe Schreibblockaden. Ihr dürft nun herauskommen und euch zeigen. Ich möchte euch gerne kennenlernen. Ich weiß, dass ihr das nicht glaubt und euch das kaum vorstellen könnt, aber ich meine es wirklich ernst. Ich weiß auch, dass ihr keine Ungeheuer seid und keine Dämonen, sondern nur ängstliche und verschreckte Kinder. Kommt einfach her zu mir. Ich möchte euch in den Arm nehmen und an mich drücken, euch lieb haben, euch sehen und euch erkennen. Dann möchte ich euch an die Hand nehmen und mit euch zusammen die Kellertreppe hinaufgehen ans Licht. Oben in meiner Wohnung angekommen, möchte ich euch einen warmen süßen Kakao zubereiten und mich mit euch an einen Tisch setzen. Und wenn ihr möchtet, dürft ihr mir alles erzählen, wonach auch zumute ist. Wenn das noch zu früh ist, dann möchte ich euch einladen, euch zu mir an meinen Schreibtisch zu setzen. Dort sind noch vier Stühle frei, auf denen ihr Platz nehmen könnt. Während ich schreibe, dürft ihr  bei mir sitzen, mir über die Schulter blicken und beim Schreiben zusehen. Ich glaube, dass ihr ganz gespannt darauf seid, was ich so alles schreibe. Nach und nach möchte ich euch meinen Lesern vorstellen. Ihr dürft euch somit jederzeit einbringen und Spaß bei allem haben. Alles ist erlaubt, nichts ist verboten und das Beschreiben von Schreibblockaden ist sogar erwünscht. Ich wette, dass viele meiner Leser sich dafür interessieren würden.“

Und wie von Geisterhand sitze ich nun bereits mit meinen vier Schreibblockaden an meinem  geliebten Schreibtisch, den ich mir so wundervoll eingerichtet habe mit frischen Blumen, Kerzen, Kristallen und einem Visionsgenerator. Meine Schreibblockaden, die ich gerade aus dem dunklen kalten Keller hervorgeholt habe, sitzen bei mir und sehen ganz friedlich aus. Ganz entspannt haben sie es sich auf den Stühlen bequem gemacht und schlürfen ihren süssen wohlig warmen Kakao. Mit großen Augen schauen sie mich an und können es gar nicht fassen, dass sie nun hier oben im Warmen und Hellen sitzen. Sie blinzeln noch ein wenig, weil sie von der Sonne, die durch die Scheibe scheint, etwas geblendet sind. Momentan sehen sie auch noch recht blas aus und sie sagen auch noch nicht viel, eigentlich gar nichts. Sie schauen sich einfach nur erst einmal um und entspannen sich in den Stuhl hinein. Sie werden von nun an immer bei mir sein und ich überlege bereits, wo sie denn von jetzt an schlafen werden. Auf jeden Fall werden sie nicht mehr in den Keller zurückkehren, sondern bei mir bleiben. Wo immer ich bin, werden sie auch sein und ich werde alles mit ihnen teilen. Meinen Tisch, meinen Stuhl, mein Essen, mein Bett, ja sogar die ganze Wohnung. Und so mulmig es mir und meinen Schreibblockaden auch gerade ist, die Entscheidung, was ich gerne lernen möchte, ist gefallen:

Ich möchte gerne meine Schreibblockaden kennenlernen.

Da sitzen sie, meine vier Schreibblockaden an meinem Schreibtisch

Da sitzen sie an meinem Schreibtisch – meine vier Schreibblockaden ; )

***

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