Der Ungläubige

Thomas galt als der Ungläubige von Jesus Aposteln. Heute würde man sagen, dass es jemand war, der die Dinge kritisch hinterfragt und beleuchtet hat. So ist es nicht verwunderlich, dass der Leser ausgerechnet im Thomas Evangelium einzigartiges Wissen vermittelt bekommt, von einem Jesus, der nicht nur allzu menschlich und modern wirkt, sondern sogar kämpferisch, wobei er sich einen gewissen Humor bewahrt hat. Dabei ist eigentlich wenig überraschend, dass er seine leibliche Mutter als Hure bezeichnet (schwangere Jungfrau) und sich generell von seiner Geburtsfamilie abwendet. Wie auch in der Bibel betont er dabei immer wieder, dass nur der Vater Himmel und die Mutter Erde wahrhaftige Eltern sind, ebenso wie seine Seelenbrüder, die nichts gemein haben mit seinen angeborenen Geschwistern.

Das Buch aus 114 Sprüchen galt lange Zeit als verschollen, obwohl es auch bei einigen „Kirchenvätern“ bekannt war. Diese Schriften wurden vom Vatikan als Hinzunahme zur Bibel abgelehnt.

AUSZÜGE:

2. Jesus sagte: „Wer suchet, soll nicht aufhören zu suchen, bis er findet, und wenn er findet, wird er erschrocken sein, und wenn er erschrocken ist, wird er verwundert sein und staunen und wird über seine Ganzheit verfügen herrschen können. Und nachdem er über die Ganzheit („the All“) herrscht, wird er zur Ruhe kommen.“

7. Jesus sagte: „Gesegnet sei der Löwe (das gefährliche Tier), der dadurch zum Mensch wird, indem er vom Menschen verzehrt wird. Und verflucht sei der Mensch, der den Löwen (das gefährliche Tier) isst und dieser so zum Menschen wird.“

(11) Jesus sprach: „Dieser Himmel wird vergehen, und der über ihm wird vergehen. Und die Toten sind nicht lebendig, und die Lebendigen werden nicht sterben. In den Tagen, in denen ihr aßet von dem, was tot ist, machtet ihr daraus, was lebendig ist. Wenn ihr im Licht sein werdet, was werdet ihr tun? An dem Tag, als ihr eins wart, seid ihr zwei geworden. Aber wenn ihr zwei werdet, was werdet ihr tun?“

Lebe wahrhaftige Gerechtigkeit: (12) Die Jünger sprachen zu Jesus: „Wir wissen, daß du uns verlassen wirst. Wer ist es, der groß über uns werden soll?“ Jesus sprach zu ihnen: „Wo auch immer ihr herkommt, geht zu Jakobus, dem Gerechten, dessentwegen Himmel und Erde entstanden sind.“

(14) Jesus sprach zu ihnen: „Wenn ihr fastet, werdet ihr euch eine Sünde erschaffen; und wenn ihr betet, werdet ihr verurteilt werden; und wenn ihr Almosen gebt, werdet ihr an euren Geistern Schlechtes tun. Wenn ihr in irgendein Land geht und in den Gebieten wandert, wenn man euch aufnimmt, dann eßt, was man euch vorsetzt, und heilt die Kranken unter ihnen. Denn das, was hineingeht in euren Mund, wird euch nicht verunreinigen. Aber das, was euren Mund verläßt, das ist es, was euch verunreinigen wird.“ – Die tiefere Erkenntnis erkennt, dass alles perfekt ist, wie es ist und nichts kritisiert oder verurteilt werden muss bzw. dieses erste die perfekten Dinge „schlecht“ macht.

(23) Jesus sprach: „Ich werde euch auswählen, einen aus tausend und zwei aus zehntausend, und sie werden als ein einziger dastehen.“ – Einziger im Sinne von Ganz oder Voll-kommen.

(28) Jesus sprach: „Ich stand in der Mitte der Welt und erschien ihnen im Fleisch [σάρξ]. Ich fand sie alle trunken, ich fand keinen unter ihnen durstig. Und meine Seele war betrübt über die Söhne der Menschen, da sie blind in ihrem Herzen sind und nicht sehen; denn leer sind sie in die Welt gekommen und leer suchen sie, die Welt zu verlassen. Nun aber sind sie trunken. Wenn sie ihren Wein abschütteln, werden sie bereuen.“ – In dem Moment, wenn man anfängt, die Dinge wahrhaftig zu sehen, unverblümt, so wie sie sind, entsteht Reue.

(30) Jesus sprach: „Wo drei Götter sind, sind es Götter; wo zwei oder einer ist, mit dem bin ich.“ – Es gibt nur einen Gott, der aus zweien ist (Polaritäten).

(33) Jesus sprach: „Das, was du mit deinem Ohr und mit dem anderen Ohr hörst, predige es von euren Dächern. Denn niemand zündet eine Lampe an, und stellt sie unter einen Scheffel, noch stellt er sie an einen verborgenen Ort, sondern er setzt sie auf den Leuchter, damit jeder, der eintritt und hinausgeht, ihr Licht sieht.“ – Teile/Lehre deine Weisheit.

(36) Jesus sprach: „Sorgt euch nicht von Morgen bis Abend und von Abend bis Morgen, was ihr anziehen werdet.“ – …denn dann werdet ihr die Sorge anziehen.

(41) Jesus sprach: „Wer in seiner Hand hat, dem wird gegeben werden. Und wer nicht hat, dem wird auch das Wenige, das er hat, genommen werden.“

(44) Jesus sprach: „Wer den Vater lästert, dem wird vergeben werden, und wer den Sohn lästert, dem wird vergeben werden; wer aber den Heiligen Geist lästert, dem wird nicht vergeben werden, weder auf Erden noch im Himmel.“

(45) „Trauben werden nicht von Dornensträuchern geerntet… denn sie geben keine Frucht. Ein guter Mensch bringt Gutes aus seinem Schatz. Ein schlechter Mensch bringt Schlechtheiten aus seinem schlechten Schatz, der in seinem Herzen ist, und er sagt Schlechtheiten, denn aus der Überfülle des Herzens bringt er Schlechtheiten hervor.“

(49) „Selig sind die Einsamen und Auserwählten, denn ihr werdet das Königreich finden, da ihr daraus seid und dorthin zurückkehren werdet.“

50. Jesus sagte: „Wenn sie zu euch sagen: ‚Woher kommt ihr?’ dann sagt zu ihnen: „Wir kommen aus dem Licht, von dort, wo das Licht aus sich selbst heraus geboren ist. Es hat sich durch sich selbst erschaffen und ist in ihrem Bild erschienen. Wenn sie zu euch sagen: ‚’Seid Ihr es denn schon?’ dann sagt: „Wir sind dessen Kinder und wir sind die Auserwählten (die Ganz gewordenen) des lebendigen Vaters.“ Wenn sie euch fragen: ‚Welches ist das Zeichen eures Vaters in euch?’ sagt zu ihnen: „Es ist Bewegung und Ruhe.“

51. Seine Jünger sagten zu ihm: „Wann wird die Ruhe der Toten eintreten und an welchem Tage wird die neue Welt kommen?“ Er sagte zu ihnen: „Diese Welt, die ihr erwartet, ist längst gekommen, aber ihr erkennt sie nicht.“ – Das Reich des lebendigen Gottes ist ruhige Bewegung/Wachsum in Stille. Es ist überall zu finden, in der Natur. Das Gegenteil von Gott erkennst du am Lärm und Starrheit (Tod).

(52) Seine Jünger sprachen zu ihm: „Vierundzwanzig Propheten sprachen in Israel, und sie alle sprachen in dir.“ Er sprach zu ihnen: „Ihr habt den Lebendigen, der vor euch ist, ausgelassen und habt von den Toten gesprochen.“ – Nur dieser Moment ist lebendig, real, wahrhaftig. Vergangenheit, Zukunft, Orte außerhalb von hier sind tot.

55. Jesus sagte: „Jener, der Vater und Mutter nicht hasst, kann auch nicht mein Jünger werden. Und wer nicht Brüder und Schwestern hasst und wer nicht das Kreuz (anm.: Atlantisches Kreuz / altägypt. Anch mit zwei Beinen) trägt wie ich, wird meiner nicht würdig sein.“

(58) „Selig der Mensch, der gelitten hat, er hat das Leben gefunden.“

59. Jesus sagte: „Sucht nach der lebendigen Ganzheit, solange ihr lebt, damit ihr nicht sterben mögt und dann den lebendig gewordenen Auserwählten zu suchen habt, um ihn zu erkennen und ihn dann doch nicht erkennen.

(68) „Selig seid ihr, dass man euch hassen wird und dass man euch verfolgen wird, und sie selbst werden keinen Platz finden, wo man euch verfolgt hat.“

(69) „Selig sind die, die von ihrem Herzen getrieben werden; es sind diese, die den Vater in Wahrheit erkannt haben. Selig sind die hungern, um den Bauch dessen zu füllen, der es wünscht.“

(70) Jesus sprach: Wenn ihr dies in euch erworben habt, wird euch das, was ihr habt, retten. Wenn ihr dies nicht in euch habt, wird das, was ihr nicht in euch habt, euch sterben lassen.

(71) „Ich werde dieses Haus zerstören, und niemand wird in der Lage sein, es wieder aufzubauen.“ – Die Lüge, die das Haus ist, wird mit der Wahrheit zerstören. Ist die Wahrheit erst einmal erkannt, lässt sich die Lüge nicht wieder aufbauen.

(100) Sie zeigten Jesus ein Goldstück und sagten zu ihm: Die Leute des Kaisers verlangen von uns Steuern. Er sprach zu ihnen: Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist und gebt Gott, was Gottes ist. Und was mein ist, das gebt mir.

113. Seine Jünger sagten zu ihm: „Wann wird das Königreich kommen?“ Jesus sagte: „Es wird nicht kommen, indem man darauf wartet. Man wird niemals sagen: ‚’Seht, hier ist es’, oder: ‚’Seht, dort ist es’, sondern das Königreich des Vaters ist ausgebreitet über der Erde und die Menschen sehen es nicht.“

ÜBER die ELTERN:

101. „Wer seinen Vater und seine Mutter nicht hasst, so wie ich es auch tue, kann nicht mein Jünger werden und wer seinen Vater und seine Mutter wie ich liebt, wird nicht mein Jünger werden. Denn meine Mutter liebe ich nicht, sondern meine wahre Mutter, denn sie gab mir das Leben.“

105. Jesus sagte: „Wer den Vater und die Mutter kennt, kann der Sohn einer Hure genannt werden.“

KÄMPFERISCH:

98. Jesus sagte: „Des Vaters Königreich gleicht einem Mann, der einen Mächtigen töten wollte. Er zog das Schwert in seinem Haus und durchstach die Mauer, um herauszufinden, ob seine Hand stark genug ist. Dann tötete er den Mächtigen.“

102. Jesus sagte: „Verdammt die Pharisäer! Sie gleichen einem Hund, der im Rindertrog liegt: er frisst nicht, noch lässt er die Rinder fressen.“

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Hintergrundinfos zum Thomas Evangelium

Auffällig ist, dass in dem Thomas Evangelium nichts über die Kreuzigung vermerkt ist. Thomas war auch als der Ungläubige bekannt. Es wird ihm nachgesagt, dass er nicht an die Auferstehung glaubte. Es gibt auch Stimmen, die der Meinung sind, dass selbst die Kreuzigung nicht, wie in der Bibel beschrieben, stattgefunden hat, da Schriftrollen existieren, die einige Jahre nach der Kreuzigung von einem Aufenthalt Jesu‘ in Indien berichten. Auch über Thomas gibt es scheinbar Hinweise, dass dieser im Jahre 52 nach Indien ging und dort als geistiger Lehrer wirkte.

Zitat aus einem Vorwort zum veröffentlichten Thomas Evangelium: „rein hypothetisch… Was ist, wenn Jesus tatsächlich einen Weg gefunden hatte, den Tod zu besiegen? Was ist, wenn er es nicht war, der am Kreuz starb, sondern vielleicht nur ein Doppelgänger, der von Pontius Pilatus als Ersatz genommen wurde (es gab genügend Nachahmer Jesu‘ zu der Zeit), um seine Herrschaft über das Volk nicht ins Schwanken geraten zu lassen, da Jesus sehr viele Anhänger besaß? Was ist, wenn seine Jünger, die offensichtlich nach seiner Lehre lebten, den Tod ebenfalls besiegen konnten? Wie reagiert eine Regierung, ein König oder das Volk auf solche Wunder? Quelle: matrixseite.de/Texte/Jonathan_Dilas_Thomas-Evangelium.pdf